deutsch

Arbeits-Prozess

Bilder haben mich immer in ihre Geschichten entführt. Häufig habe ich darin Dinge gesehen, die sie nur mir gezeigt haben. Ich hab sie bereits als Kind zerschnitten und zu meinen Geschichten neu verklebt.

Das mach ich immer noch. Nur das Medium  hat gewechselt und mir andere, „systemische“ Scheren in die Hand gegeben: Tastatur, Cursor und Photoshop haben meine „Schnitt- und Klebemöglichkeiten“ zwar erweitert, das Resultat ist und bleibt jedoch eine Collage. Jetzt ist es eine Collage aus Bildschnipseln wie bisher und neu aus technischen Matrix-/Pixelrastern mit ihrer eigenen optischen Magie.

Ohne Triggerreiz stehe ich ratlos vor einem jungfräulichen Screen.  Erst der Trigger drängt mich zum PC. Zum Anreiz kann alles Mögliche werden, ein anderes Bild, ein Detail davon, etwas Verstecktes darin wie ein Muster oder eine Archetypie. Auch Wörter und Sätze können sich mir bildlich öffnen. Begriffe aus Wissenschaft, Philosophie und ja, auch religiöse  Ausdrücke vermögen mich mit Leichtigkeit anzustossen.

Am Anfang steht eine Idee. Diese initiale Vorstellung hat meist gar nichts mit dem finalen Resultat zu tun.  Sie geht langsam verloren auf dem Weg, wird verdrängt von Artefakten, Unreinheiten im Programm (das gibt es tatsächlich) und vor Allem durch Zufälle. Letztere sind von grosser Bedeutung. Sie eröffnen ein Spiel. Wir spielen zusammen.  Ich benutze sie auch provokativ, wenn ich beim Arbeiten in Sackgassen lande. Das ist häufig. In diesen Momenten muss ich das Bild brechen, zerstören. Dieser destruktive Akt schafft Zufälle in Bildkomposition und Effekten, was mir meist den nächsten konstruktiven Schritt weist.  So entsteht ein Rhythmus aus Spielen, Fliessen lassen, Stranden, Destruieren und Weiterbauen in fraktalen Repetitionsschleifen bis zum Endergebnis. Die Bilder evolvieren.

Ein Wissen geht mir im ganzen Prozess ab. Nur eines weiss ich mit Bestimmtheit –  wann das Bild fertig ist. Dieser Ablauf mag ziellos erscheinen. Das ist er keineswegs. Er lässt jedoch erst im Rückblick erkennen, mit welcher Kraft der technische Spielplan mich führt und benützt, um das Grundthema selbst (in sich)  zu spiegeln und schliesslich als Bild darzustellen: Prozess und Endresultat sind 2 Seiten des gleichen Kerns.

Warum mache ich diese Bilder?  Ich spiele gerne und ich spiele, um staunen zu können. Ich versuche klar zu kommen mit unserer Welt, unserer Zeit und schlussendlich auch mit mir selbst. Ich bin fasziniert von der Magie dieses unfassbaren Labyrinthes um mich herum  und von der Unbeirrtheit des Lebens, das sich mit Selbstverständnis darin seinen Weg bahnt. Das strebe ich umzusetzen. Primär mache ich die Bilder für mich. Mit dieser Webseite gebe ich eine Auswahl davon frei. Vielleicht verlieren sie sich in diesem Labyrinth, vielleicht werden sie zum Anstoss für einen Dialog, für neues Leben und neues Staunen.

 

 

Initiatoren oder einige grosse Namen, die zum richtigen Zeitpunkt  meine Wege kreuzten und mir Portale zu unermesslichen Universen aufgestossen haben:

Gustav Schwab „Sagen des klassischen Altertums“,
Friedrich Dürrenmatt „Gespräche, Stoffe, Dramaturgie des Denkens“,
Kevin Kelly „Der 2.Akt der Schöpfung“,
James Gleick  „Chaos “,
Lynn Margulis  „Leben“,
Werner Heisenberg „Der Teil und das Ganze“,
Mircea Eliade  „Geschichte der religiösen Ideen“ und „Das Mysterium der Wiedergeburt“,
Joseph Campbell „Die Masken Gottes“ und „Der Heros in 1000 Gestalten“,
C.G.Jung „Archetypen“ und „Traum und Traumdeutung“,
Christoph Türcke „Vom Kainszeichen zum genetischen Code“ und „Philosophie der Traums“,
und nicht zuletzt und über Allem Thomas, mit dem ich das grösste Mysterium erleben durfte.

 

 

Keim und Spieltrieb beim Arbeiten:
Staunen über Allem,
Staunen als höchstes Glück,
Staunen als Sucht
Provokation des Staunens

 

 

Was mich zum Staunen bringt, provoziert und bei der Arbeit leitet:
Die Magie zwischen Mythologie und Wissenschaft,
die kleine Unreinheit, Zufall und Artefakt als göttliche Funken,
die Repetition als Energiefeld der Möglichkeiten,
die Selbstorganisation des Chaos, Schwarmpotenz,
die Immanenz von Zentrum und Peripherie,
Verschränkung, Vernetzung von Allem,
das Netz als Archetypus des letztendlich unergründlichen Labyrinthes,
das Labyrinth als Mandala,
Code, Matrix, Leinwand als unerschöpfliche Quelle und Potenz,
die Harmonien der Kraftfelder, der Dimensionen und Fraktale,
Instabilität und Neuordnungen  bei Harmoniebrüchen und Phasenübergängen,
omnipräsentes  Werden als magisches Labor,
das erstaunlich unverfrorene Selbstverständnis der Lebens.
Verspiegelung, Ueberlagern von Realitäten, Multiuniversen